EllaYachting

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Mein neues griechisches Seglerleben

 

 Nach vier Jahren Kroatien hatte ich genug vom “Balkan“ und seinen Mentalitäten und blickte mich nach neuen Destinationen um, wo es für mich seglerisches Neuland und für das Chartergeschäft halbwegs lukrativ sein sollte. Ich entschied mich für Griechenland, das ich von vielen Reisen mit Zelt und Wohnmobil schätzen und lieben gelernt hatte. Mein Freund Andrè vermittelte mir wichtige Kontakte zu verlässlichen Charterfirmen und Stützpunktbetreibern auf den Ionischen Inseln . Ich plante zwei-drei Saisonen im Ionischen Meer, um anschließend in die Ägäis weiterzuziehen. Die wunderschöne Inselwelt, die netten Leute und die leichte Erreichbarkeit mit Flugzeug, Fähre und Auto bewirkten, dass ich noch immer mit meiner SY Mariella, einer Elan 434 Impression, in der Marina Gouvia liege.

 

Die Überstellung zu Ostern (März) 2010 war mein erster längerer One Way Törn, noch dazu in einer „unwirtlichen“ Zeit. Mit den drei Freunden Ernst, Karl und Willi ging es von Split aus in Richtung Süden. Es war schon ein tolles Gefühl mit der untergehenden Sonne neuen Zielen entgegen zu segeln. Der Wachwechsel nach jeweils vier Stunden war für uns vier leicht zu händeln. Um 0200 übernahmen wir das Ruder von unserer vorigen Nachtwache mit dem Kommentar: Wir hatten vier schöne ruhige Stunden, kaum Schiffsichtungen und auch keinen Wind. Wahrscheinlich geht es bei euch genauso entspannt weiter. Es war auch wirklich so – leider nur für zehn Minuten. Wir entdeckten weißen Rauch beim Auspuff. Fachleute wie wir waren (Zahnarzt und Lehrer) tippten auf neuen Papst,  Wasser im Auspuff oder Zylinder, Überhitzung oder etwas anderes. Außerdem nahm der Schiffsverkehr rapide zu. Wir waren auf Höhe von Bari und hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Fähren und Frachtschiffe nach Albanien und zurück unterwegs sind. Wir stellten den Motor ab, weckten die restliche Crew und starteten die Fehlersuche. Wir prüften das Kühlungssystem, den Impeller und untersuchten alle Winkel des Motors, wobei das Zahnarztbesteck von Willi zum Einsatz kam. Wahrscheinlich war es die erste zahnärztliche Untersuchung eines Schiffsdiesels, wobei der kleine Spiegel mit Stiel sehr hilfreich war. In der Zwischenzeit waren manche Fährschiffe schon bedenklich nahe und unser Ausguck meldete die Distanzen zuerst in Seemeilen, dann in Kilometern und zuletzt in Metern. Da wir keinen Fehler finden konnten, starteten wir wieder den Motor, achteten sehr genau auf die Motortemperatur sowie auf den Wasserausstoß vom Auspuff und setzten unsere Nachtfahrt fort. An Segeln war nicht zu denken, da die See spiegelglatt und 0 Wind war.

 

Am Ende der zweiten Nacht um 0300 erreichten wir die Marina Gouvia auf Korfu, schälten uns aus dem Ölzeug und genossen die laue Nacht bei einer Flasche Schampus. Wir waren stolz auf unsere vollbrachte Überfahrt und auf die Nachtansteuerung in die verwinkelte Marinaeinfahrt. Unsere seglerische Leistung wurde etwas geschmälert, als am nächsten Tag ein mittelgroßer Öltanker neben uns anlegte.

 

Am nächsten Tag lernten wir die Stützpunktleiter Thanasis und Angela kennen. In meinem Drang alles sofort erledigen und organisieren zu wollen - Einklarieren, Firmengründung, Motorservice,… brachte mich Thanasis wieder zurück auf griechischen Boden. „Willi, tomorrow is Friday, than weekend – relax and go sailing.“ Wir nahmen augenblicklich den gut gemeinten Rat an, legten ab und erkundeten das südliche Korfu, Paxos, wo wir einklarierten (ein kleiner Hafen ist zu bevorzugen, es geht meist schneller und  freundlicher) und  Antipaxos, unser Urlaub hatte begonnen.

 

Nach dem Wochenende lernte ich meinen Steuerberater Rodolfos kennen, der mir bei der Firmengründung behilflich war und mich persönlich zum Meldeamt geleitete, mit mir zum Fotografen ging um Passfotos zu machen und bei einigen Espressos zum „Freund“ wurde. Außerdem liebt er meinen Sämling aus der Südsteiermark.

 

Seit dieser Zeit segle ich so oft es mir möglich ist im Ionischen Meer, dabei machte ich interessante Tierbeobachtungen. Neben Delfinen, Trompetenfischen, Barracudas, großen Meeresschildkröten(vor allem zwischen Lefkas und Zakynthos), habe ich sogar eine der äußerst seltenen Mönchsrobben und drei ausgewachsene Mantas!! gesichtet.

 

Das Ionischen Meer bietet viel Abwechslung durch die unzähligen, herrlichen Buchten, spektakuläre Felswände mit ausgewaschenen Höhlen und Grotten, sowie ursprüngliche Orte mit meist kostenlosen Anlegemöglichkeiten. Ich habe übrigens in den vielen Segelwochen in Summe ca. € 100,-für Liegegebühren ausgegeben - ein Betrag, den man in Kroatien, Italien oder Frankreich locker für eine Nacht bezahlt. Sucht man geruhsameres Segeln, bleibt man zwischen den Inseln und dem Festland, beim Wunsch nach einer sportlicheren Variante, kann man diesen geschützten Bereich verlassen und sich außerhalb der Inseln nach Westen oder Süden wenden.

 

Der meist thermische Wind kommt aus NW, erreicht am späten Nachmittag maximal 5-6 Bft und schläft am Abend meist ein. Starkwind ist sehr selten, obwohl ich auch schon einige Windhosen gesehen habe. Es ist ein beeindruckendes Naturschauspiel, wenn man die dunklen Wolken beobachtet und sich langsam ein Rüssel nach unten schlängelt, bis er auf die Wasseroberfläche trifft und weiße Gischt nach oben zieht. Nördlich der Stadt Korfu konnten wir so einer Windhose nur mit Mühe ausweichen, da sie ständig die Richtung wechselte. Nach dem Bergen der Genua und Starten des Motors bin ich mit gerefftem Groß sehr nahe am Zentrum der Windhose eine Runde „getanzt“, bis ich aus der Drehung wieder herausgekommen bin. Leider hat diese Manöver keiner meiner Crewmitglieder gesehen, da alle plötzlich im Schiff etwas Dringendes zu erledigen hatten.

 

Von Korfu aus führt unser Törn meist zum Festland zu den urigen Orten Platarias oder Mourtos. Man legt direkt vor den Tavernen an und kann vom Schiff aus die Speisekarten studieren. Mein  Lieblingsplatz für den Frühstückskaffee ist in Mourtos  die erhöhte Terrasse des Hotels Filakas, mit dem wahrscheinlich schönstem WC des Ionischen Meeres.

 

Nun geht es weiter in den Süden, in die große Bucht von Ormos Valtou mit gutem Ankergrund. Der verlässliche Skipper des Taxibootes, der aussieht wie die Tennistrainerlegende Tiriac, fährt uns die           2 Sm ins Zentrum von Parga – eine quirlige an den Hang gelegene Stadt mit venezianischem Kastell und einem Kloster auf einer kleinen vorgelagerten Insel. Nach dem Abendessen, Flanieren und Pubbesuchen bringt uns „Tiriac“ zur ausgemachten Zeit wieder zum Schiff zurück (ca.5€ p.P.). Seit zwei Jahren muss er Kassabons für jede beförderte Person ausstellen, neben dem Steuern seines Bootes – die Felswände kommen dabei bei Blindfahrt bedenklich nahe, er korrigiert aber geistesgegenwärtig seinen Kurs bevor wir auflaufen.

 

Weiter südlich lädt die Two Rock Bay zum Übernachten ein – braucht man einmal Abwechslung vom ruhigen Seglerleben, kann man an der Mole von Preveza anlegen und in der pulsierenden Stadt in die Barszene eintauchen. Entweder segelt man in den Ambrakischen Golf oder bei genug Zeit ist auch die Durchfahrt des Lefkas Kanals zu empfehlen, allein der drehbare Ponton und die schmale Einfahrt sind beeindruckend. Nach 5 Sm erreicht man den bestens geschützten Inland See mit wunderschönen Inseln wie z. Bsp. Kastos und Kalamos. Die Onassisinsel Scorpios lädt zu einem Badestopp ein, bevor man Meganisi mit seinen vielen verwinkelten Buchten und netten Orten wie Vathy und Spartachori erreicht. Weiter südlich kreuzt man die Wege des Odysseus, der von Ormos Polis auf Ithaka zu seiner berühmten Irrfahrt aufbrach.

 

Die schönste Segelzeit für mich ist eindeutig der Frühling, alles blüht in den schönsten Farben und das Wetter ist meist schon frühsommerlich warm. Bei kühleren Abendtemperaturen sorgt die Dieselheizung für wohlige Wärme. Man ankert allein in Buchten wie Lakka und freut sich wenn eine zweite Yacht den Anker wirft. Zufällig war es Felix mit seinem großen Katamaran, der ebenfalls österreichisches ÖSYC Mitglied ist. Bei Bier und Abendessen kamen wir uns schnell näher und genossen die gemeinsame Zeit mit unseren zwei Gabis.

 

Ich wundere mich immer über die wenigen Segler zu dieser schönen Jahreszeit – das Wetter entspricht einem warmen Hochsommertag an der Ostsee und manche probieren schon ein Bad im Meer. Vielleicht sollte ich diese Zeit nicht so schön beschreiben – warum auch nicht, ich bin doch kein Egoist!

Willi Kropshofer